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Giftcard-Studie 2026: Gutscheinkarten wachsen schneller als der Einzelhandel und werden zum strategischen Bindungsinstrument
Hamburg, im Juni 2026 – Gutscheinkarten haben sich in einem wirtschaftlich angespannten Marktumfeld zu einer der stabilsten und dynamischsten Umsatzkategorien im deutschen Handel entwickelt. Das ist das zentrale Ergebnis der Studie „Giftcards Reloaded“ des Hamburger Loyalty- und Giftcard-Spezialisten KNISTR. Die Analyse basiert auf mehr als 100 Millionen Transaktions- und Nutzungsdaten aus aktiven KNISTR Giftcard-Programmen sowie auf der Auswertung von über 60 Millionen Gutscheinkarten im Zeitraum von 2019 bis 2025. Insgesamt wurden 24 Unternehmen aus vier Handelssegmenten untersucht: Fachmärkte, FMCG, Lifestyle & Freizeit sowie Mode und Accessoires.
Gutscheinkarten überholen den Einzelhandel
Seit 2022 übertrifft das Umsatzwachstum von Gutscheinkarten die Gesamtentwicklung des Einzelhandels deutlich. Zwischen 2023 und 2025 legte der Umsatz aus dem Verkauf von Gutscheinkarten um durchschnittlich 12,5 Prozent pro Jahr zu. Gemessen am Referenzjahr 2019 (Indexwert 100) erreichte der Giftcard-Umsatz 2025 einen Indexwert von 188 – während der Einzelhandelsumsatz (ohne Kfz, Tankstellen, Brennstoffe und Apotheken) im selben Zeitraum lediglich auf 124 stieg.
In einigen Einzelhandelssegmenten machen Gutscheinkarten bis zu 2 Prozent des Gesamtumsatzes aus und zählen damit zu den umsatzstärksten Produkten im Sortiment eines Händlers.
FMCG und Fachmärkte profitieren am stärksten
Das Wachstum verteilt sich unterschiedlich über die Segmente. Beim durchschnittlichen jährlichen Wachstum des Giftcard-Absatzes zwischen 2023 und 2025 liegt FMCG, etwa Supermärkte, mit +12,3 Prozent klar vorn, gefolgt von Mode und Accessoires (+5,8 Prozent), Lifestyle und Freizeit (+3,6 Prozent) und Fachmärkten (+2,8 Prozent).
Auch die Aufladebeträge steigen: Fachmärkte, etwa Garten- oder Baumärkte, verzeichneten zwischen 2021 und 2025 mit +12 Euro den stärksten Anstieg, von 45 Euro auf 57 Euro. Der durchschnittliche Aufladebetrag pro Gutscheinkarte liegt branchenübergreifend bei rund 58 Euro.
Schenken als emotionaler Anker
Auch in Zeiten bewusster Kaufzurückhaltung bleibt der Wunsch, Freude zu schenken, offensichtlich hoch. In den vergangenen drei Jahren wurden je nach Branche dabei im Durchschnitt 3 bis 12 Prozent mehr Giftcards nachgefragt als im jeweiligen Vorjahr. Der Dezember ist branchenübergreifend der absatzstärkste Monat: 48 Prozent der Konsument*innen gaben an, zu Weihnachten Gutscheinkarten oder Bargeld zu verschenken.
„In einem wirtschaftlich angespannten Marktumfeld erweisen sich Gutscheinkarten als robuste und vielseitige Umsatzkategorie. Sie verbinden emotionale Ansprache mit funktionaler Flexibilität und schaffen damit einen einzigartigen Mehrwert im Kaufprozess. In Zeiten erhöhter Budgetdisziplin greifen viele bewusst zu Gutscheinkarten oder Geld als Geschenkform, da sie Sinnhaftigkeit, Planbarkeit und persönlichen Wert vereinen“, sagt Sina Arp, Senior Loyalty Consultant bei KNISTR.
Mehr Umsatz, mehr Kundenkontakte
Und noch etwas macht die Studie deutlich: Gutscheinkarten machen aus Einlösern Mehrkäufer: Sie erhöhen den Warenkorbwert, schaffen Zusatzumsatz durch Overspending und steigern die Besuchsfrequenz. 52 Prozent der Konsument*innen geben an, beim Einlösen mehr ausgegeben und den Rest selbst bezahlt zu haben. Einlösende Kund*innen kommen im Schnitt mehrfach zurück – im FMCG-Segment im Durchschnitt 1,9-mal, bei Fachmärkten 1,4-mal.
Die Einlösung erfolgt dabei zunehmend geplant: Rund 59 bis 77 Prozent der Gutscheinkarten sind nach 12 Monaten vollständig verbraucht, nach 36 Monaten sind es 67 bis 88 Prozent. Im Segment Lifestyle & Freizeit erfolgt die erste Einlösung im Schnitt erst nach 4,6 Monaten. Über 55 Prozent der online gekauften Gutscheine werden stationär eingelöst – Gutscheinkarten fungieren damit als Brücke zwischen E-Commerce und Filiale.
„Gutscheinkarten wirken weit über den einzelnen Kauf hinaus: Die Verbindung aus emotionalem Anlass und funktionaler Nutzung übersetzt sich direkt in höhere Frequenz, zusätzliche Käufe und stärkere Kundenbindung. Im Durchschnitt besucht jeder fünfte Kunde im Modebereich und nahezu jeder Kunde im FMCG-Segment den Händler beim Einlösen sogar zweimal – eine klare Chance für den Händler, zu überzeugen“, erklärt Jochen Hahn, Geschäftsführer von KNISTR.
Ausblick: digital, integriert und Loyalty-getrieben
Für 2026 und darüber hinaus sieht die Studie Gutscheinkarten auf dem Weg vom reinen Geschenkprodukt zum strategischen Instrument der Kundenbindung. Wallets, Apps und Instant-Delivery werden zum Standard, Giftcard- und Loyalty-Mechaniken verschmelzen, und daten- sowie KI-gestützte Personalisierung ermöglicht gezielte Impulse entlang der Customer Journey. Händler ohne Giftcard-Angebot, so das Fazit der Studie, verschenken Umsatzpotenziale.